Der Qualitätszeichenwettbewerb des VSBS hat zum Zweck, das handwerkliche und künstlerische Grabmalschaffen im Bildhauer- und Steinmetzberuf zu fördern und gute Arbeiten auf dem Friedhof hervorzuheben.
Alle zwei Jahre werden dabei die Gütesiegel «Qualitätszeichen», «Das gute Grabmal» und «Mit besonderer Auszeichnung» für herausragende Grabzeichen vergeben.
In loser Folge werden hier die ausgezeichneten Arbeiten des Wettbewerbes 2025 präsentiert. Die Fotos mit den Jurytexten und Erläuterungen der Ersteller und Erstellerinnen geben Aufschluss über den gestalterischen Werdegang und die Beurteilung durch die Jury.

Bewegung auf der Fläche

Erläuterung der Erstellerin

Der Verstorbene liebte das Wasser und war ein passionierter Segler. Er führte ein aussergewöhnliches Leben, war kreativ. Entsprechend seinem erdigem Wesen sollen Moos und Pflanzen in den Vertiefungen der Liegeplatte wachsen.

Jurytext

Das zentrale Gestaltungselement auf der Fläche dieser Liegeplatte sind die freien, wellenartig verlaufenden Linien, die dreidimensionalen Furchen. Sie verlaufen von links nach rechts wie auch umgekehrt; ihre Spannung und Ausdruckskraft entsteht vor allem durch Verdickung und Verjüngung. Erst die schwungvolle, den Wellenrhythmus aufnehmende Platzierung der rechtsbündigen Inschrift gibt der Fläche eine klare Richtung. Diese Rechtsbündigkeit wirkt abschließend, ohne endgültig zu sein – eine «Bewegung nach Hause». Durch das Gravieren der Schrift bereits im Tonmodell wird die Inschrift während des Werkprozesses integriert und erscheint nicht fremd, sondern organisch verbunden. Die Fläche wird hier mit grosser Könnerschaft zu einem plastischen Körper gestaltet. Ihre meisterhafte Wirkung steigert sich während der materiellen Verwandlung vom Ton zum Zementguss. Bei solch durchdachtem Einsatz besitzt der Werkstoff Beton durchaus seine Berechtigung auf dem Friedhof.

Bildhauerin: Ingrid Tekenbroek
Material: Zement eingefärbt, Stampfbeton, Ton modelliert und abgegossen (verlorene Gipsform), blattvergoldet
Masse: 40 x 60 x 4cm
Standort: Friedhof Arbon

Form und Fläche

Erläuterung der Erstellerin

Der Blumenkranz symbolisiert das abgeschlossene Leben, die 86 Margeriten verweisen auf die Lebensspanne der Verstorbenen in Jahren, die 8
vergoldeten Blumenstempel stehen für die gelebten Jahrzehnte. Der Text ist wie ein Halsschmuck gestaltet, mit integriertem Kreuz für den Glauben der Verstorbenen.

Jurytext

Über der rechteckigen Grundplatte findet sich eine ovoide Form, deren Oberfläche Platz für Symbol und Schrift bietet. Sie tut aber mehr als das: Sie umschliesst – auch betont durch die zentrale Fläche – einen inneren Raum, eine Sphäre. Die fein und sensibel gearbeiteten stilisierten Blüten harmonieren mit diesem Raum, sie sind im Einklang mit ihm, sie übertönen ihn nicht. Zusammen mit der Inschrift wirken sie wie ein textiles Flächengebilde. Die dargestellten Blüten und die miteinander verbundenen Schriftzeichen deuten auf ein Ornament hin, das durch den reduzierten, subtilen Einsatz von Blattgold aufgelockert wird. Der ausgewogene Umgang mit Form und Fläche, ohne dass eines das andere dominiert, ist hier besonders gelungen. Der Stein bewegt sich spannungsvoll im geistig-materiellen Bereich, wie ein Name oder Halsschmuck, der durch den Träger einen Sinn gewinnt.

Bildhauerin: Ingrid Tekenbroek (Mitarbeit: Nathan Moravac)
Material: Bardiglio-Marmor, handwerklich bearbeitet, angeschliffen, blattvergoldet
Masse: 37x46x12cm
Standort: Friedhof Thalwil

Olivetti

Erläuterung des Erstellers

Der Verstorbene war mit Leib und Seele Wirt. Er schrieb seine täglich neu gemachte Speisekarte am liebsten mit seiner Olivetti-Kugelkopf-Schreibmaschine und setzte sein von Hand gezeichnetes Logo, eine stilisierte Bratpfanne mit Inhalt, unter das Menü. Bei der Schrift handelt es sich um eine originale Olivetti-Type.

Jurytext

Bei diesem Urnengrabstein entfaltet die handwerkliche Bearbeitung der Kalkstein-Oberfläche ihre Wirkung. Man sieht kleine Bruchflächen, die den Stein öffnen, während die verdichtenden Meisselschläge die Fläche schliessen, sie zusammenziehen. Die angestrebte Parallelität der Schläge bleibt bewusst unvollkommen und verleiht der Fläche einen lebhaften Ausdruck, der nicht aufdringlich, nicht laut erscheint.
Auf dieser Fläche befinden sich die Typografie und das Symbol. Spannungsvoll rechtsbündig angeordnet, der Schriftart einer Schreibmaschine
nachempfunden und platzeinnehmend angeordnet, fügen sich die Gravuren schlicht in die Fläche ein und korrespondieren mit dieser im Gleichgewicht. Die ehrliche, handwerkliche Ausführung überzeugt durch Präzision. Schriftwahl und Symbol bezeugen die Auseinandersetzung des Gestalters mit der Persönlichkeit des Verstorbenen.

Bildhauer: Gabor Hrusovszky
Material: Comblanchien, handwerklich bearbeitet, Inschrift graviert und patiniert
Masse: 90x35x18cm
Standort: Friedhof Nordheim, Zürich

Talisman

Erläuterung des Erstellers

Die Verstorbene sammelte allerlei Sachen, teilweise auch absurd wirkende Gegenstände, wie dasjenige, das prominent in der Mitte des Steines wacht. Es ist tatsächlich ein Wärter, ein Meditationsobjekt, ein Talisman, oder doch etwas ganz anderes. Die wild aufgetragene Farbe tut ihr Übriges.

Jurytext

Die Stele ist im Verhältnis 1:4:6 konzipiert, wobei die Grundfläche ein Verhältnis von 2:3 hat. Diese klaren Proportionen verleihen dem Stein Ruhe, Stabilität und eine zurückhaltende Statik. Die natürliche Spaltfläche wird bewusst eingesetzt; ihre aufstrebende Textur verstärkt die vertikale Dynamik und wird nach oben hin zunehmend ruhiger. Hier erfolgt der gezielte Eingriff: Schrift und Symbol sind präzise, proportional bewusst und harmonisch in die Fläche integriert. Vertieft in den Stein eingesetzt ist ein metallener Schliesskloben, dem Nachlass der Verstorbenen entnommen. Durch die Drehung um 90 Grad befreit sich das Objekt von seiner Funktion und wird zum offenen, bedeutungsvollen Symbol, zum individuellen Erinnerungszeichen. Trotz seiner eigenständigen Materialität und seiner Farbigkeit fügt sich das Objekt durch die präzise Platzierung und behutsames Vertiefen in den Stein; es ist präsent, ohne zu dominieren. Der Stein zeigt, wie durch eine Auseinandersetzung mit der Biografie der Verstorbenen und durch bewusste Gestaltung mit wenigen, sensiblen Eingriffen ein würdevolles, individuelles Grabzeichen entstehen kann.

Bildhauer: Gabor Hrusovszky
Material: Rorschacher Sandstein, gespalten, geflammt, geschliffen
Masse: 120x30x20cm
Standort: Friedhof Sihlfeld Urnenhain, Zürich