Nach den Jahrgängen 2022, 2023 (Zeichnen I und II) und 2024 (Selbstportrait), bekam ich im Jahr 2025 abermals die Gelegenheit, den Eriz-Kurs zu leiten. Das Thema Masken schien mir passend im Anschluss an das Vorjahr. Darüber hinaus bin ich seit jeher von den unterschiedlichsten Arten von Masken fasziniert. Darum zieht es mich in jeder Grossstadt in das örtliche Völkerkundemuseum und deswegen blieb mir auch eine Ausstellung im Zürcher Museum Rietberg zum Thema Masken so nachhaltig in Erinnerung. Masken gibt es nahezu in allen Kulturen der Welt. Sie werden unterschiedlich eingesetzt zum Teil in festgelegten Ritualen oder folkloristischen Anlässen. Die Herstellung von Masken und der dazu gehörenden Gewänder werden mit den entsprechenden handwerklichen Fertigkeiten über Generationen überliefert. Diese Traditionen werden oft sorgfältig bewahrt und tragen zur Identifikation einer bestimmten Volksgruppe bei. Aus den unterschiedlichsten Materialien hergestellt, werden Masken lebendig, sobald sie von Menschen getragen werden. Es findet eine unmittelbare Verwandlung statt.

Mit einer grossen Bildersammlung war die Vielfalt der Masken aus allen Ecken der Welt im Arbeitsraum in Eriz präsent. Sie diente uns lediglich als Inspiration. Es war nicht unser Ziel, ein kunstvoll gestaltetes Artefakt aus Afrika oder Asien nachzubauen. Auch in handwerklicher Hinsicht blieben unsere Objekte skizzenhaft. Wegen der kurzen Kurszeit arbeiteten wir mit «schnellen» Materialien wie Karton, Draht oder Klebeband anstatt mit Holz, Gips, Leder oder Silikon. Die Heissleimpistolen waren infolgedessen das probate Mittel vor Ort.

Wir teilten den Kurs in vier Abschnitte: Einige der vierzehn Kursteilnehmer*innen hatten vor einem Jahr die Eriz-Weiterbildung zum Thema «Selbstportrait» besucht. Quasi als Fortsetzung starteten alle mit einer gewöhnlichen Schuhschachtel und dem Auftrag, eine Maske mit einem typischen Merkmal oder einem Charakterzug von sich selbst herzustellen. Als zweites verwandelten wir uns in ein Tier. Mit bildhauerischem Vorgehen und anatomischen Kenntnissen suchten wir Ähnlichkeiten zu Bär, Fisch, Adler und Co. In Teil drei gingen wir mit Papiereinkaufstaschen und handelsüblichen Halbmasken von einer vorgegebenen Situation aus. Im vierten und finalen Abschnitt war der Auftrag offener und individueller gestellt. Hier unterschieden sich die Arbeitsprozesse und hergestellten Werke stark, je nach Ausrichtung der Teilnehmer*innen. Einige Masken verkörperten fantasievolle Geschöpfe, andere bestanden aus eigens mitgebrachten Materialien und wieder andere setzten sich zusammen aus Resten und Abfällen der vorangegangenen Kurstage.

Der Erizkurs 2025 war unglaublich produktiv und geprägt von einer fleissigen und spontanen Arbeitsatmosphäre. Der Anspruch, die gebaute Maske auch tatsächlich tragen zu können, führte immer wieder zu kniffligen Anprobe-Situationen und auch wenn noch Änderungen mit Schere und Leim von Nöten waren, funktionierte die Verwandlung von Karton in ein lebendiges Wesen doch auf eine verblüffende Art und Weise.

Urs Lauber

Teilnehmer und Teilnehmerinnen: Franziska Beck, Felice Bottinelli, Sabine Burla, Tess Burla, Noah Cartier, Alois Herger, Hugo Koch, Anastasia Kindler, Eric Meier, Michael Landolt, Nora Passigatti, Res Reber, Melik Scheurer, Gaby Stähli